Logo Ernährungscoach

Hilfe! Mir fehlt die Disziplin beim Abnehmen

Sind Sie auch schon einmal – oder vielleicht sogar mehrmals - beim Abnehmen gescheitert? Und machen Sie sich deshalb insgeheim Vorwürfe, dass Sie mal wieder zu wenig Disziplin aufgebracht haben, um Ihr Vorhaben wirklich durchzuziehen? Herzlich willkommen bei einem weit verbreiteten Dilemma.

Denn:„Um dem Essen zu widerstehen, benötigen Sie Willenskraft. Um Willenskraft zu haben, müssen Sie essen“ wissen die Autoren Roy Baumeister und John Tierney. Wir haben das Problem einmal aufgebröselt und zeigen Ihnen, wie es trotzdem klappt.

Die meisten Menschen glauben, dass zum Abnehmen knallharte Disziplin und ein eiserner Wille notwendig sind. Folglich halten sie Übergewicht für ein Zeichen von Willensschwäche. Aber ist das wirklich so? Oder ist die Selbstbeherrschung beim Thema Abnehmen vielleicht vollkommen fehl am Platz?

Gleich einmal vorweg: Eine der Erkenntnisse aus der psychologischen Forschung zum Thema Disziplin ist die, dass sich diese am leichtesten aufbringen lässt, wenn es um Leistungen am Arbeitsplatz oder in der Schule geht. Wenn es allerdings um Ernährung geht, tun wir uns offensichtlich mit der Willenskraft sehr schwer.

Übergewicht ist kein Beweis für mangelnde Disziplin

Was bedeutet Disziplin denn eigentlich? Schauen wir doch einmal, was Wikipedia dazu sagt: Selbstdisziplin oder Selbstbeherrschung bezeichnet ein stetiges und eigenkontrolliertes Verhalten, das einen Zustand aufrechterhält oder herbeiführt, indem es Anstrengungen aufwendet, die den Ablenkungen von einer Zielvorgabe entgegenwirken.“  Puh, hört sich ganz schön mühevoll an.

Obwohl Übergewicht häufig als Beweis für fehlende Disziplin angenommen wird, haben Untersuchungen ergeben, dass beides wenig miteinander zu tun hat. Stattdessen spielen hierbei die richtige Motivation und das Setzen realistischer Ziele (beides ist mit der Zielvorgabe in der o.g. Definition gleichzusetzen) eine wesentlich größere Rolle.

Was passiert nämlich, wenn es mal mit dem stetigen, eigenkontrollierten Verhalten nicht so klappt? Die Folge sind ein schlechtes Gewissen und Schuldgefühle.

Willenskraft braucht Zucker!

Wer schon einmal eine Diät gemacht hat, hat vielleicht auch erlebt, dass sich irgendwann eine quälende Lust auf Süßes breit macht. Neurowissenschaftler haben dafür eine ganz einfache Erklärung: Willenskraft braucht Zucker!

Zur Ausübung der Willenskraft müssen Nervennetzwerke aktiviert werden, die ansonsten inaktiv wären, und das verbraucht Energie in Form von Glucose (Einfachzucker). Unser Körper weiß, dass Süßigkeiten der schnellste Weg sind, um diesen Zucker zu liefern, auch wenn es gesünder und mit anderen Nahrungsmitteln gehen würde. Und schon tappen wir wieder in die Falle!

Fazit: Je mehr Disziplin für die Erreichung eines Zieles  notwendig ist, desto mehr brennen die Energiespeicher aus.  Willenskraft steht uns also nur in begrenzter Menge zur Verfügung und damit ist das Scheitern einer Diät sozusagen schon vorprogrammiert.

Wer dann einmal einknickt, erlebt oft den sogenannten „Scheißegal-Effekt“. Denn wer Diät hält, der richtet sich nach äußeren Bestimmungen. Und wenn die einmal durchbrochen werden, dann brechen alle Dämme!

Trotz begrenzter Willenskraft ans Ziel

Stellt sich die Frage, wie wir trotzdem an unser Ziel zu gelangen. Für den Start in eine neue, disziplinierte Verhaltensweise kann das begrenzte Maß an Willenskraft durchaus von Vorteil sein. Aber dann müssen andere Dinge, nämlich die eben schon genannte Motivation und realistische Ziele, die schwindende Disziplin ersetzen.

Was die Motivation betrifft,  müssen wir uns immer zuerst einmal die Frage beantworten, ob es tatsächlich unser eigener Wunsch ist abzunehmen, oder ob uns das von Freunden, Verwandten oder einem Arzt nahegelegt wurde. Sollte das der Fall sein, handelt es sich lediglich um eine extrinsische Motivation. Und die ist bekanntlich wesentlich schwächer als die intrinsische, also die von innen kommende, Motivation. Wer dabei feststellt, dass die Tüte Gummibärchen doch wichtiger ist als die Traumfigur, der sollte seine Prioritäten noch einmal überdenken.

Auch Wetten auf den eigenen Abnehmerfolg abzuschließen und dabei auf einen großen Gewinn zu hoffen, ist nicht die geeignete Motivation. Ganz davon abgesehen, dass auch das nur selten funktioniert. Deshalb bietet der englische Buchmacher William Hill auch an, gegen jeden zu wetten, der abnehmen will. Seine Gegenspieler dürfen dabei sowohl die Bedingungen als auch das Endergebnis bestimmen – und verlieren zu 80 %. Womit wir schon bei den realistischen Zielen sind. 

Denn die meisten Abnehmwilligen überschätzen sich und ihren Erfolg schlichtweg. Vor allem Frauen sind die Verlierer in den Wettbüros von William Hill. Anstatt sich und ihrem Körper etwas Gutes tun zu wollen, träumen viele davon, innerhalb kürzester Zeit Idealmaße zu erreichen. Besser fährt, wer sich realistische Ziele setzt. Die anderen scheitern auf halber Strecke, nur weil ihre Erwartungen vollkommen überzogen sind.

Setzen Sie sich deshalb kleine Ziele, die Sie in einem überschaubaren Zeitraum realisieren können. Das wiederum steigert die Motivation, auch das nächste (kleine) Ziel in Angriff zu nehmen!

Langfristiger Erfolg hat nichts mit Disziplin zu tun

Stimmen Motivation und Ziele, dann wird das neue Verhalten nach kurzer Zeit normal - es wird zur Gewohnheit. Und löst damit die Disziplin ab. Denn wer neue, positive Gewohnheiten annimmt, braucht keine Willensstärke, um seine Ziele zu erreichen.

Fazit

Bei keinem anderen Thema fallen die Begriffe Disziplin und Willenskraft so oft, wie beim Abnehmen. Fest steht aber: Es gibt keinen direkten Zusammenhang zwischen Selbstdisziplin und Abnehmen. Essen wird eben oft auch von Emotionen gelenkt, und die unterliegen nun einmal nicht unserem Willen.

Mit der richtigen Motivation und einem realistischen Plan funktioniert Abnehmen langfristig und ganz ohne Selbstkasteiung.